Zeitreise eines Milchmessers

Mit Jänner 2021 beendete Oberzuchtwart Rupert Heigl seinen 52-jährigen Dienst beim LKV Salzburg. 

Rupert Heigl ist mit 76 Jahren der am längsten dienende Zuchtwart in Österreich. Wir haben dies zum Anlass genommen, um mit ihm ein Interview zu seinen Erinnerungen über ein bewegtes Leben zu machen. Christian Eder hat ihn in Großarl besucht und folgendes Interview mit ihm geführt.

Christian: Wann und wie bist du zum Milchmessen gekommen?
Rupert: Ich wurde vom damaligen Zuchtwart Rottensteiner gefragt, ob ich mir das Milchmessen, vorerst im Ellmautal in Großarl, vorstellen könnte. Nach dem wir kurz zuvor das ehemalige Zulehen Kasbichl übernehmen durften und wir im Mai geheiratet haben, war ein jedes zusätzliche Einkommen willkommen und so begann ich am 01. Dezember 1968 mit dem Milchmessen. Ich war immer ein begeisterter Pinzgauer Rinder- und Schafzüchter.

Christian: Was hast du vorher gearbeitet und welche Ausbildung hast du gemacht?
Rupert: Zuerst habe ich am elterlichen Betrieb Kleinellmau mitgearbeitet, dann einige Sommer auf der Alm und später dann auch in der Holzarbeit. Dann habe ich zwei Winter die Landwirtschaftsschule Klessheim besucht, wo dann schon mein Interesse zur Arbeit als Zuchtwart geweckt wurde.


Christian: Wie war damals der Ablauf einer Milchleistungskontrolle?
Rupert: Da es damals noch keine Güter- und Almwege gab, musste der Weg zu den Bauern und auf die Almen zu Fuß zurückgelegt werden. Vereinzelt gab es Materialseilbahnen von den Hauptwegen zu den Höfen. Die Kontrollen erfolgte anfangs als Vollkontrolle, sprich abends zu den Bauern milchmessen, dort übernachten und dann in der Früh neuerlich messen. Die Proben wurden per Post ins Labor geschickt und die Zettel nach Maishofen. Die Proben wurden in ein Probemelkheft eingetragen, und wenn die Fett- und später dann auch die Eiweißwerte aus dem Labor zurückkamen, wieder nachgetragen. Pro Kuh wurde anfangs rund 3,50 Schilling kassiert und in Maishofen abgegeben. Einmal im Jahr kam dann der Zuchtwart auf den Hof, berechnete die Leistungen und zog die Ohrmarken ein. 1969 erreichten in Großarl nur 2 Betriebe einen Stalldurchschnitt von 4.000 kg. Durch die kargen Verhältnisse wurde den Rindern teilweise auch gehacktes Reisig dazu gefüttert.

Christian: Was waren die schönsten Erlebnisse als Zuchtwart?
Rupert: Am schönsten war es, wenn die Betriebe wieder von jungen engagierten Bauern und Bäuerinnen weitergeführt wurden. Ich habe ja teilweise 4 Generationen auf den Höfen miterlebt. Wenn man so lange Zeit monatlich auf die Betriebe kommt und die Kinder heranwachsen sieht, bis sie dann selber Bauern werden und dann wiederum deren Kinder, so hat das auch mir die größte Freude bereitet. Man gewöhnt sich in diesen vielen Jahren an die Personen auf den Betrieben – es wird Freud und Leid geteilt und viele Themen werden besprochen.

Christian: Kannst du dich auch an ein „schlimmes" Ereignis erinnern?
Rupert lacht: Ja, Schlimmes fällt mir jetzt nicht ein, aber einmal habe ich mich doch gefürchtet. Ich war wieder auf dem Weg zu einem Bauern der nur mit der Materialseilbahn erreichbar war. Da die Bäuerin gerade einkaufen in St. Johann war musste ich an der Talstation auf sie warten. Einige Zeit später kam sie dann vollbepackt an, sie selbst war auch nicht gerade ein Fliegengewicht und setzte sich in das kleine Seilbahnwagerl. So war neben der Bäuerin, dem Einkaufszeug und vier Milchkannen eigentlich kein Platz mehr im Wagerl. Ich quetschte mich irgendwie halb auf das Wagerl und beim Wegfahren rief uns der Bub vom Nachbarbauern, der die Seilbahn bediente zu: „Passt bei der 3er Stütze auf, lehnts euch nach links, weil sunnst fliagt immer des Seil aussi". Mit diesen Anweisungen und dementsprechender Angstzustände kamen wir doch über die besagte Stelle drüber. Rund 10 Meter bevor wir oben in die Seilbahnhütte einfuhren, sagte die Bäuerin:„Du bist der Jüngere, du muasst hiaz abspringen, weil sunnst samma zu schwer und uns schleifts nur mehr am Boden in die Hüttn." So blieb mir auch hier nichts erspart. So etwas vergisst man nicht mehr.
Oder einmal war ich auf dem Weg zu einer Alm, als ich weiter hinauf kam, sah ich schon Licht im Stall, da war schon meine Befürchtung die Kühe sind schon gemolken. Als ich dann den Stall betreten habe, sah ich einen verschreckten Bauern. Er hatte die Befürchtung das Finanzamt kommt kontrollieren, weil er „nicht ganz offiziell" Schnaps brannte.

Christian: Ich glaube, nach so viele Jahren als Zuchtwart, gäbe es sicher noch sehr viele Erlebnisse über die du erzählen könntest. Ich möchte mich im Namen des Rinderzuchtverbandes bzw. des Landeskontrollverbandes für deinen jahrzehntelangen Einsatz für die Salzburger Rinderzucht herzlich bedanken und wünsche dir, lieber Rupert, noch viele gesunde Jahre im wohlverdienten Ruhestand und viel Glück in Haus und Hof. Danke.

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